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Review: Klub Analog – Folge 5 – Der Buchmarkt


esspapierAustausch zwischen hartem Geschäft und literarischer Muße / Gesprächsrunde und Lesungen zum Thema Bremer Buchmarkt

Wie ist es um den Bremer Buchmarkt bestellt? Antworten auf diese Fragen lieferte die fünfte Klub Analog-Veranstaltung:  Neben einer Ge-sprächsrunde mit vier Akteuren aus der Buchwirtschaft spielten auch ein Geschichtenerzähler, zwei Lesungen, ein Bücherstand und eine Truhe mit Lieblingsbüchern eine Rolle.Neugierig flanierten die Besucher durch den Raum. Vorbei an verschiedenen Modellen antiquierter Schreibmaschinen, dann ein Blick auf die ausgestellten Buchbindungen von Stefan Bargstedt und Lore Hübotter. Nicht nur die Bleibuchstaben neben Hübotters Büchern erinnerten an alte Zeiten – auch die Dias von Bremer Autoren, Verleger und Buchhändlern hatte der Fotograf  Thomas Vestweber analog geschossen.

Bremer Schnack zum Buchgeschäft
Auf die Gegenwart bezogen diskutierte dahingegen Rainer Schümer als Moderator der Gesprächsrunde mit seinen vier Gästen. Einen Einblick in die Buchgestaltung gab der Kommunikations- designer Stefan Bargstedt. Durch die Digitalisierung habe sich die Buchcover-Gestaltung schon verändert, erläuterte Bargstedt. Zukunftsängste schien das beim Buchgestalter jedoch nicht zu schüren: „Ich würde das nicht grundsätzlich negativ sehen, weil das auch eine Bereicherung sein kann.“ Wie viel sich in der letzten Dekade durch die neuen Medien im Buchgeschäft getan hat, verdeutlichte Hermann Schünemann, der Verlagsleiter des gleichnamigen, knapp 200-jährigen Bremer Verlags. Seine Prognose: „Im Fachbuchbereich sehe ich eine schlechte Zukunft für den Verlagsbereich. Im belletristischen Bereich sehe ich sie durchaus, da das Haptische, das Emotionale überwiegt.“ Schünemann kritisierte den Online-Buchhandel, der den örtlichen Buchhandlungen schade. Mit Ausma Zvidrina war eine Gesprächsteilnehmerin eingeladen worden, deren Buchladen sich trotzdem etablieren konnte. Zvidrina ist die Mitinhaberin des vor zwei Jahren gegründeten Buch- und Plattenladens „Golden Shop“. Der Verkauf von Büchern und Platten überschneide sich gut, was die Buchverkäuferin nicht zuletzt an der inhaltlichen Ausrichtung der Waren ausmachte, die eher „abseits vom Mainstream“ zu verorten sei.

Ausbaufähig: Stärkung der Bremer Buchszene
Auf Bremen bezogen wünschten sich die Gesprächsteilnehmer mehr Veran-staltungen und Literaturförderungen. Um die Bremer Buchbranche stärker zu etablieren, so Hermann Schünemann, seien eine bessere Nachwuchsförderung und gute Rahmenbedingungen für Schriftsteller, Übersetzer und Lektoren unabdingbar. Von der Schwierigkeit, mit der Schriftstellerei tatsächlich den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, wusste Janine Lancker zu berichten, die im September ihr erstes Buch veröffentlicht. „Ich mache das nicht hauptberuflich“, stellte Lancker klar, die bei einer Unternehmensberatung gearbeitet hat. Die Kultur- und Literaturwissenschaftlerin schätzt, dass sehr wenige ihrer früheren Kommilitonen heute tatsächlich im Buchmarkt tätig sind.

Eintauchen in literarische Welten
Einen konkreten Einblick in ihre Arbeit vermittelte die Autorin, indem sie spä-ter eine ihrer Kurzgeschichten las. Auch der Bremer Autor Tim Schomacker und  der Geschichtenerzähler Johannes Henn ließen das Publikum in literarische Welten eintauchen. Wer lieber selbst in Büchern blättern wollte, fand dazu ebenfalls Gelegenheit. Ein Thalia-Büchertisch stellte Bremer Stoff zum Schmökern vor, und in einer Truhe lagen Lieblingsbücher von Besuchern zum Tausch bereit. Begleitet von der Hintergrundmusik Guido Boleros am DJ-Pult, stöberten Viele neugierig in der variantenreichen Auswahl. Zufrieden mit ihrem Büchertausch zeigten sich Swantje Schmidt und Ivo Mossig. Der Geographie-Dozent Mossig hatte den Roman „Small World“ von Martin Suter mitgebracht, in dem der Protagonist unter Alzheimer leidet. Über das Buch freute sich Schmidt: „Das ist ein Thema, das man nicht so gerne anspricht und uns betrifft es selbst in der Familie.“ Sie selbst hatte Mira Lobes „Das kleine Ich bin Ich“ mitgebracht. Mit diesem Kinderbuch konnte wiederum Ivo Mossig sehr viel anfangen: „Ich komme abends selten dazu, Bücher zu lesen – lese meinen Kindern aber oft vor.“

„Genau das, was die Kultur- und Kreativwirtschaft braucht“
Der Geographiedozent lobte die Idee zu der Veranstaltungsreihe, die von der Clustermanagerin Nadine Portillo, Sandra Prawitt und Sebastian Kuhlmann (Eventagentur Buben und Dame) sowie Reiner Schümer (ELZ) in Unterstüt-zung der BIG ins Leben gerufen wurde. Mossig habe schon in wissenschaftlichen Projekten zum Kreativbereich gearbeitet: „Aus meiner Forschungserfahrung heraus ist das genau das, was die Kultur- und Kreativwirtschaft braucht: Netzwerke, die das Berufliche und Private verbinden.“

Das nächste Treffen des Klub Analogs findet am 2. Juli um 19 Uhr auf der Breminale statt.  Das Thema: Darstellende Kunst. Der Eintritt ist frei. (Text: Chris Ruschin)

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