Lade Dir den Flash Player um die Diashow zu sehen.

re:view Klub Analog Folge 7 – Presse


YouTube Preview Image

KLUB ANALOG – Folge 7: Presse in Bremen
Zwischen Qualitätsjournalismus und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen

Ist Qualitätsjournalismus in Zeiten des Internets und der Verlags- und Wirtschaftskrise noch möglich? Diese Frage diskutierten Podiumsteilnehmer und Publikum beim siebten KLUB ANALOG zum Thema Pressemarkt in Bremen. Weitere Höhepunkte der Veranstaltung: Eine Schnellzeichnerin, die Gäste porträtierte und die Ausstellung einer Studie, die Antworten auf das Leseverhalten von jungen Lesern lieferte. „Ganz Vielen ist der analoge Aspekt sehr wichtig, also sich hinzusetzen und die Zeitung aufzuschlagen“, teilte die Designstudentin Franziska Sander den etwa 180 Besuchern der Veranstaltung mit. Damit nahm sie ein Ergebnis der Designkurs-Studie „der 100. Leser“ aus der Hochschule für Künste vorweg, in der 99 Nachrichtenleser zwischen 14 und 40 Jahren zu ihrem Leseverhalten und ihren Erwartungen befragt worden waren – und deren Resultate beim KLUB ANALOG ausgestellt wurden. Dass das Internet das Zeitungsgeschäft aber erheblich beeinflusst, verdeutlichte der Podiumsdiskussionsgast Helge Matthiesen aus der Chefredaktion des Weser-Kurier, der neben Tanja Krämer und Christian Humm zum Thema „Pressemarkt in Bremen“ sprach.

Internet frisst Print?
Die Veränderung durch das Internet „wird Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation von Journalisten haben“, sagte Matthiesen. Im Internet zu publizieren rechne sich im Moment für den Zeitungsverlag nicht. Dass der Weser-Kurier sich
dennoch online platziert, beurteilte der Redakteur als wichtig, „weil wir uns sonst schlicht von einer Entwicklung abschneiden, die ja nicht aufzuhalten ist und die wir begleiten und mit gestalten müssen.“ Dabei müsse sich die Zeitung auch inhaltlich umstellen. „Die Nachricht, das Aktuelle wandert ins Internet ab und das Hintergründige, das Tiefschürfende verstärkt sich in der Zeitung.“, sagte der Leiter des News-Desks, auf dem Nachrichten für die Print- und die Onlineausgabe abgestimmt werden. Eine Bedrohung des Journalismus sah Matthiesen vor dem Hintergrund der Publikationsmöglichkeiten durch Internetnutzer nicht: „Es gibt dann einfach mehr Quellen. An der Qualitätsanforderung, dass man die Dinge klug bewerten und Fakten prüfen muss, ändert sich eigentlich nichts. Leser haben sich bei Regionalzeitungen schon immer eingebracht. Das ist für uns eigentlich nichts Neues.“ Ihre professionelle Herangehensweise führte auch Tanja Krämer auf die Frage der Moderatorin Nadine Portillo an, was sie denn von Bloggern unterscheide: „Ich habe da mehr Zeit für und ich habe gelernt, meine Quellen zu bewerten und die richtigen Leute zu befragen“, begründete die freiberufliche Wissenschaftsjournalistin.

Freiberufler bestimmen selbst
Während Krämer auch Werbetexte für Bremer Unternehmen schreibt, publiziert sie als Journalistin unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, die Zeit oder die Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft. „Ich habe gleich überregional angefangen, weil ich in Bremen schlicht nicht genug Geld verdiene“, sagte Krämer. Die Verlagskrise,  beurteilte Krämer, „haben sich die Verlage selbst geschaffen, in dem sie ganz stark an den Honoraren, an den eigenen Autoren oder Fotografen gespart haben – und dann wundern sie sich, wenn die Qualität abnimmt und ihnen die Leser weglaufen.“ Warum sie gerne freiberuflich arbeite, fragte Portillo. „Ich wähle meine Themen selbst, ich wähle, wem ich sie anbiete und ich wähle, wie ich sie mache“, antwortete Krämer. Auch die variierende Berichterstattung zwischen dem Internet, den Tages- und Wochenzeitungen sowie Magazinen seien reizvoll. Ihre Spezialisierung als Wissenschaftsjournalistin beurteilte Krämer als klaren Vorteil.

Auch im Journalismus relevant: Die Zielgruppe
Auch der dritte Teilnehmer der Gesprächsrunde, Christian Humm, bejahte die Frage, ob die Nische sein Erfolgsgeheimnis sei: „Als Unternehmer kann man schon danach schauen, wo ein Bedarf ist – und dann kann ich damit auch Geld verdienen.“ Humm hat sich als Mitherausgeber der Kinderzeitung auf die Zielgruppe „Eltern“ spezialisiert. Die Kinderzeitung sei vor zwölf Jahren aus der Idee heraus entstanden, Eltern grundsätzlich zu zeigen, was sie mit Kindern unternehmen könnten.
Entscheidend sei dabei vor allem der Veranstaltungskalenderbereich. Bei der Publikation seien auch die Anzeigen nicht irrelevant: „Es gibt gerade bei der regionalen Presse ganz klar die Problematik, dass man ohne Anzeigen nicht weiterkommt. Ein Kunde hat in diesem Bereich eine gewisse Macht.“ Journalistische Arbeit, gab auch Helge Matthiesen zu bedenken, könne erst durch Anzeigen und Vertriebserlöse bezahlt werden. Begegnungen auf dem Papier Podiumsteilnehmer und Besucher diskutierten auch nach der Gesprächsrunde noch weiter. Abgebildet wurden sie dabei von der Schnellzeichnerin Nicole Fabert. Sie zeichnete immer zwei Besucher, die sich vorher nicht kannten, auf ein Blatt Papier, um ein Kennenlernen der Gäste untereinander zu fördern.

Denn die Initiatoren Nadine Portillo (Clustermanagerin), Sandra Prawitt und Sebastian Kuhlmann (Eventagentur Buben und Dame) sowie Reiner Schümer (ELZ) wollen in Unterstützung der WFB mit der elfteiligen Veranstaltungsreihe nicht nur einzelne Teilbereiche der Kreativwirtschaft in Bremen vorstellen, sondern auch das branchenübergreifende Kennenlernen untereinander fördern. Treue und neue Gäste unter den Besuchern, die sich zeichnen ließen, zählte Sonja Funke. Die Musikpromoterin und Presse- und Öffentlichkeitsarbeiterin ist bisher bei fast jeder Klub Analog Folge dabei gewesen, weil „sich jedes Mal etwas entwickelt. Mich spricht die Ästhetik hier auch einfach an, diese liebevolle, kreative Gestaltung.“ Funke lobte nicht nur den KLUB ANALOG, sondern auch Bremen für deren offene Szene: „Hier gibt es viele Möglichkeiten, mitzumachen und einzugreifen“. Zum ersten Mal war Norbert Hayduk zu der Veranstaltung gekommen. „Ich hatte mir sowieso vorgenommen, den Klub einmal anzuschauen“, sagte der hauptberufliche Verwaltungsangestellte und Portalgründer „kulturlabskaus.de“. Das Prinzip des KLUB ANALOG habe Hayduk sehr gut gefallen. „Ich mag die nette und ausgelassene Atmosphäre“.

Das nächste Treffen des KLUB ANALOG findet am 3. September um 19 Uhr im Clubraum Elf², Am Speicher XI, Nr.11, statt. Thema: Kunstmarkt in Bremen. Der Eintritt ist frei.

KLUB ANALOG – Folge 7: Presse in Bremen
Zwischen Qualitätsjournalismus und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen
Siebte Folge KLUB ANALOG: Diskussion über den Pressemarkt in Bremen –
Schnellzeichnerin und Ausstellung / Studie „Der 100. Leser“
Ist Qualitätsjournalismus in Zeiten des Internets und der Verlags- und
Wirtschaftskrise noch möglich? Diese Frage diskutierten Podiumsteilnehmer
und Publikum beim siebten KLUB ANALOG zum Thema Pressemarkt in Bremen.
Weitere Höhepunkte der Veranstaltung: Eine Schnellzeichnerin, die Gäste
porträtierte und die Ausstellung einer Studie, die Antworten auf das
Leseverhalten von jungen Lesern lieferte.
„Ganz Vielen ist der analoge Aspekt sehr wichtig, also sich hinzusetzen und die
Zeitung aufzuschlagen“, teilte die Designstudentin Franziska Sander den etwa 180
Besuchern der Veranstaltung mit. Damit nahm sie ein Ergebnis der Designkurs-Studie
„der 100. Leser“ aus der Hochschule für Künste vorweg, in der 99 Nachrichtenleser
zwischen 14 und 40 Jahren zu ihrem Leseverhalten und ihren Erwartungen befragt
worden waren – und deren Resultate beim KLUB ANALOG ausgestellt wurden. Dass das
Internet das Zeitungsgeschäft aber erheblich beeinflusst, verdeutlichte der
Podiumsdiskussionsgast Helge Matthiesen aus der Chefredaktion des Weser-Kurier,
der neben Tanja Krämer und Christian Humm zum Thema „Pressemarkt in Bremen“
sprach.
Internet frisst Print?
Die Veränderung durch das Internet „wird Auswirkungen auf die wirtschaftliche
Situation von Journalisten haben“, sagte Matthiesen. Im Internet zu publizieren
rechne sich im Moment für den Zeitungsverlag nicht. Dass der Weser-Kurier sich
dennoch online platziert, beurteilte der Redakteur als wichtig, „weil wir uns sonst
schlicht von einer Entwicklung abschneiden, die ja nicht aufzuhalten ist und die wir
begleiten und mit gestalten müssen.“ Dabei müsse sich die Zeitung auch inhaltlich
umstellen. „Die Nachricht, das Aktuelle wandert ins Internet ab und das
Hintergründige, das Tiefschürfende verstärkt sich in der Zeitung.“, sagte der Leiter des
News-Desks, auf dem Nachrichten für die Print- und die Onlineausgabe abgestimmt
werden. Eine Bedrohung des Journalismus sah Matthiesen vor dem Hintergrund der
Publikationsmöglichkeiten durch Internetnutzer nicht: „Es gibt dann einfach mehr
Quellen. An der Qualitätsanforderung, dass man die Dinge klug bewerten und Fakten
prüfen muss, ändert sich eigentlich nichts. Leser haben sich bei Regionalzeitungen
schon immer eingebracht. Das ist für uns eigentlich nichts Neues.“ Ihre professionelle
Herangehensweise führte auch Tanja Krämer auf die Frage der Moderatorin Nadine
Portillo an, was sie denn von Bloggern unterscheide: „Ich habe da mehr Zeit für und
ich habe gelernt, meine Quellen zu bewerten und die richtigen Leute zu befragen“,
begründete die freiberufliche Wissenschaftsjournalistin.
Freiberufler bestimmen selbst
Während Krämer auch Werbetexte für Bremer Unternehmen schreibt, publiziert sie als
Journalistin unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, die Zeit oder die Zeitschrift
Spektrum der Wissenschaft. „Ich habe gleich überregional angefangen, weil ich in
Bremen schlicht nicht genug Geld verdiene“, sagte Krämer. Die Verlagskrise,
beurteilte Krämer, „haben sich die Verlage selbst geschaffen, in dem sie ganz stark an
den Honoraren, an den eigenen Autoren oder Fotografen gespart haben – und dann
wundern sie sich, wenn die Qualität abnimmt und ihnen die Leser weglaufen.“ Warum
sie gerne freiberuflich arbeite, fragte Portillo. „Ich wähle meine Themen selbst, ich
wähle, wem ich sie anbiete und ich wähle, wie ich sie mache“, antwortete Krämer.
Auch die variierende Berichterstattung zwischen dem Internet, den Tages- und
Wochenzeitungen sowie Magazinen seien reizvoll. Ihre Spezialisierung als
Wissenschaftsjournalistin beurteilte Krämer als klaren Vorteil.
Auch im Journalismus relevant: Die Zielgruppe
Auch der dritte Teilnehmer der Gesprächsrunde, Christian Humm, bejahte die Frage,
ob die Nische sein Erfolgsgeheimnis sei: „Als Unternehmer kann man schon danach
schauen, wo ein Bedarf ist – und dann kann ich damit auch Geld verdienen.“ Humm
hat sich als Mitherausgeber der Kinderzeitung auf die Zielgruppe „Eltern“
spezialisiert. Die Kinderzeitung sei vor zwölf Jahren aus der Idee heraus entstanden,
Eltern grundsätzlich zu zeigen, was sie mit Kindern unternehmen könnten.
Entscheidend sei dabei vor allem der Veranstaltungskalenderbereich. Bei der
Publikation seien auch die Anzeigen nicht irrelevant: „Es gibt gerade bei der
regionalen Presse ganz klar die Problematik, dass man ohne Anzeigen nicht
weiterkommt. Ein Kunde hat in diesem Bereich eine gewisse Macht.“ Journalistische
Arbeit, gab auch Helge Matthiesen zu bedenken, könne erst durch Anzeigen und
Vertriebserlöse bezahlt werden.
Begegnungen auf dem Papier
Podiumsteilnehmer und Besucher diskutierten auch nach der Gesprächsrunde noch
weiter. Abgebildet wurden sie dabei von der Schnellzeichnerin Nicole Fabert. Sie
zeichnete immer zwei Besucher, die sich vorher nicht kannten, auf ein Blatt Papier,
um ein Kennenlernen der Gäste untereinander zu fördern. Denn die Initiatoren
Nadine Portillo (Clustermanagerin), Sandra Prawitt und Sebastian Kuhlmann
(Eventagentur Buben und Dame) sowie Reiner Schümer (ELZ) wollen in
Unterstützung der WFB mit der elfteiligen Veranstaltungsreihe nicht nur einzelne
Teilbereiche der Kreativwirtschaft in Bremen vorstellen, sondern auch das
branchenübergreifende Kennenlernen untereinander fördern.
Treue und neue Gäste
Zu den Besuchern, die sich zeichnen ließen, zählte Sonja Funke. Die Musikpromoterin
und Presse- und Öffentlichkeitsarbeiterin ist bisher bei fast jeder Klub Analog Folge
dabei gewesen, weil „sich jedes Mal etwas entwickelt. Mich spricht die Ästhetik hier
auch einfach an, diese liebevolle, kreative Gestaltung.“ Funke lobte nicht nur den
KLUB ANALOG, sondern auch Bremen für deren offene Szene: „Hier gibt es viele
Möglichkeiten, mitzumachen und einzugreifen“. Zum ersten Mal war Norbert Hayduk
zu der Veranstaltung gekommen. „Ich hatte mir sowieso vorgenommen, den Klub
einmal anzuschauen“, sagte der hauptberufliche Verwaltungsangestellte und
Portalgründer „kulturlabskaus.de“. Das Prinzip des KLUB ANALOG habe Hayduk sehr
gut gefallen. „Ich mag die nette und ausgelassene Atmosphäre“.
Das nächste Treffen des KLUB ANALOG findet am 3. September um 19 Uhr im
Clubraum Elf², Am Speicher XI, Nr.11, statt. Thema: Kunstmarkt in Bremen.
Der Eintritt ist frei.