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re:view KLUB ANALOG – FOLGE 8 – Bildende Kunst in Bremen


Klub Analog Logo RichtigEin hartes Pflaster für die Kunst
Achte Folge KLUB ANALOG: Diskussionen zum Thema Kunstmarkt in Bre-men.

Auf einem Tisch stapelten sich bei der achten KLUB ANALOG – Folge etliche Flyer und Publikationen von Bremer Kunstinstitutionen und -initiativen. Ja, es gibt sie, die lebhafte Kunstszene in Bremen – so äu-ßerten sich auch die Podiumsgäste der Veranstaltung, der Künstler Tom Gefken, die Galeristen Barbara Claassen-Schmal und Jack Kraska sowie die freiberuflichen Kuratorin Katerina Vatsella. Wesentliche Missstände und Förderungsbedarf waren jedoch ebenfalls Thema.

„Das Interesse scheint sehr groß zu sein“, sagte Moderator Reiner Schümer mit Blick auf die zahlreichen Besucher. Der Kunstmarkt sei jedoch der kleinste Markt der Kultur- und Kreativwirtschaft: „Hier wird am wenigsten umgesetzt“. Wie es konkret um die Bremer Kunstszene bestellt ist, wussten die vier Gesprächsteilnehmer zu berichten. Trotz Millionärsdichte, Kunsthalle und dem Sammlermuseum Weserburg sei „Bremen kein einfacher Standort“, gab der Galerist Jack Kraska zu bedenken. In Bremen hätten es nur wenige Galerien geschafft, über zwanzig, dreißig Jahre zu bestehen. Auch Kraska und sein Geschäftspartner Mirko Eckstein haben zu kämpfen: „Wir haben versucht, auf die Wirtschaftskrise kreativ zu reagieren“. Mit einer Verlagsgründung und grafischen Dienstleistungen haben die Beiden weitere finanzielle Standbeine aufgebaut. Als „Missstand“ bezeichnete die Galeristin Barbara Claassen-Schmal, dass viele Künstler aufgrund der wenigen Galerien in Bremen darauf angewiesen seien, sich selbst zu vermarkten. Das sei aber eigentlich nicht deren Aufgabe, fand Claassen-Schmal: „Die Künstler schaffen die Werke und normalerweise bieten die Galerien die Plattformen, um zu verkaufen und vielleicht auch erstmal, um bekannt zu machen.“ Die Galeristin lobte die hohe Schaffensqualität der Bremer Avantgardekünstler: „Gerade diese Kunst, die man vielleicht sonst nur in Metropolen findet, die findet man durchaus auch hier. Aber da muss man sich drum bemühen. Und dafür braucht man selbstverständlich Kapazitäten, also Kuratoren und Ähnliches.“

Lokale Stärke Bremen?
Warum sich Künstler und Sammler aus Bremen weg orientierten, fragte Rei-ner Schümer – und warum das Geld für die Kunst, das durchaus da sei, nicht in Bremen bliebe. „Das bleibt sicher auch in Bremen“, antwortete Katerina Vatsella, die als freie Kuratorin für Institutionen und Unternehmen arbeitet. „Wenn man aber den Boden für Sammler beackern will, muss man erst ein-mal Künstler und Galerien fördern.“ Bei der „Förderung“ ginge es nicht nur um Gelder, betonte Vatsella, sondern auch um „Möglichkeiten, wie zum Beispiel die Bereitstellung günstiger Ateliers.“ Auch eine mangelnde Bericht-erstattung der Lokalmedien kritisierten Vatsella und Claassen-Schmal. „Viele bekommen gar nicht mit, was hier stattfindet“, sagte Claassen-Schmal. Als Kuratorin für Unternehmen fand auch Vatsella es schwierig, ihre Ausstellungen in der Presse zu platzieren: „Darüber wird dann nicht berichtet, weil man nicht die Unternehmen unterstützen möchte. Dabei geht es mir dann gar nicht um die Unternehmen, sondern um die Kunst und die Künstler – und die bleiben dann einfach auf der Strecke.“

Vermisst: Die staatliche Förderung
Die staatliche Förderung des Kunstbetriebs fand der Künstler Tom Gefken ausbaufähig: „Man darf die Landesregierung und Kulturbehörde auch nicht entlassen und alles aufs Private schieben“. Wirklich hilfreich sei beispielsweise die Künstlerförderung des Senats gewesen, von der er selber profitiert habe, die es heute aber nicht mehr gebe: „Die Künstler haben den Rücken frei gehabt und konnten arbeiten“. Davon, dass die Künstlerszene sich auf Förderungen ausruhe oder wenig Eigeninitiative zeige, wollte Gefken nichts wissen: Seit gut einem Jahr schössen etliche Kreativforen und Diskussionsgruppen aus dem Boden, bei denen es darum ginge, Kultur, Wirtschaft und Design zu vernetzen. „Ich habe das Gefühl, dass gerade extrem viele Leute das Interesse haben, sich auszutauschen. Und das ist der Boden, auf dem etwas wachsen kann.“ Aus den Diskussionen „werden sich hoffentlich Ideen entwickeln, die dazu führen, die Bremer Kunst- und Kulturszene in das Licht zu rücken, das sie auch verdient haben“. Auch der Kunstfrühling, eine Kooperationsausstellung zur zeitgenössischen Kunstszene aus der Region, sei so eine „kleine Pflanze, die wachsen kann“, sagte Gefken. Der Galerist Jack Kraska kam ebenfalls auf den Kunstfrühling zu sprechen: Warum es dort an Geldern für die Werbemaßnahme gefehlt habe, habe er nicht verstanden.

Stimmen aus dem Publikum
„Die ist deswegen so schlecht gelaufen, weil die Wirtschaft und die Wirt-schaftsförderung solche Ereignisse als überhaupt nicht unterstützenswert ansieht“, wusste Rose Pfister aus den Publikumsreihen zu beantworten. Dabei sei der Kunstfrühling, wenn auch ein geringer, so immerhin ein Wirtschaftsfaktor gewesen. Ihr Appell: „Wirtschaftsverantwortliche, nehmt das bitte auch als solchen wahr!“ Für die Veranstaltung KLUB ANALOG fand die Referentin für bildende Kunst in der Kulturbehörde lobende Worte: Hier werde „einmal deutlich, dass es eine solche Szene in Bremen gibt“. Die Veranstalter der elfteiligen KLUB ANALOG – Reihe wollen jedoch mit der Podiumsrunde nicht nur einen Einblick in jeweils einen Teilbereich der Bremer Kreativwirtschaft vermitteln. Auch eine branchenübergreifende Vernetzung vor Ort bezwecken die Clustermanagerin Nadine Portillo (Projektallee), Reiner Schümer (ELZ) und Sandra Prawitt und Sebastian Kuhlmann von der Eventagentur Buben und Dame mit Unterstützung der WFB. So gingen auch an diesem Abend die Gespräche bei Getränken und Platten-Musik von DJ GU unter den Besuchern weiter. „Kunst und Geld haben in Bremen leider nicht viel miteinander zu tun“, kommentierte der Kurator und Kunstkritiker Horst Griese, der sich mit Katerina Vatsella nach der Runde unterhielt. Die Veranstaltungsreihe war dem 59-Jährigen schon vorher bekannt. „Ich wollte sowieso schon immer mal vorbeischauen – vielleicht gibt es ja ein paar interessante Anknüpfungspunkte.“ Dass man Leute miteinander ins Gespräch bringe, die sonst vielleicht wenig miteinander zu tun haben, findet Griese gut. Auch Rose Pfister, die schon mehrfach dabei gewesen ist, beurteilt die Reihe als wichtiges Treffen für die Netzwerkbildung: „Mir ist aufgefallen, dass Leute hier wirklich auch sparten-übergreifend ins Gespräch kommen“, sagte sie, um sich dann gleich wieder ihren Gesprächspartnern zu widmen.

Das nächste Treffen des KLUB ANALOG findet am 1. Oktober um 19 Uhr im Clubraum Elf², Am Speicher XI, Nr.11, statt.  Thema: Rundfunk. Der Eintritt ist frei.